Überleben bei
30°+
Hitzewellen sind die tödlichste Form von Extremwetter in Europa. Allein im Sommer 2024 starben 62.775 Menschen an den Folgen extremer Hitze. Die gute Nachricht: Die meisten Hitzetoten sind durch richtiges Verhalten vermeidbar.
Hitzebedingte Todesfälle
Nature Medicine, Janoš et al. (2025)
Das Hitzewarn-
system
Starke Wärmebelastung
Gefühlte Temperatur >32°C an zwei Tagen in Folge, zusätzlich nur geringe nächtliche Abkühlung der Wohnräume.
Schwellenwert variiert saisonal (Frühsommer niedriger, Hochsommer höher) durch Akklimatisationseffekt.
Extreme Wärmebelastung
Gefühlte Temperatur >38°C am frühen Nachmittag. Für ältere Menschen bereits ab 36°C eine extreme Belastung.
Warnungen gelten für den aktuellen und folgenden Tag. Herausgabe täglich bis 10:00 Uhr.
Quelle: DWD — Hitzewarnsystem (2025), Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg
Was tun bei
30°+?
Aufenthalt anpassen
Zwischen 11–18 Uhr möglichst drinnen bleiben. Draußen Schatten suchen — in der Sonne kann es 10–15°C heißer sein.
WHO, CDC, BZgA
Trinken, trinken, trinken
2–3 Liter täglich: Wasser, ungesüßte Tees, Saftschorlen. Kein Alkohol, wenig Koffein, keine zuckerhaltigen Getränke.
WHO, RKI, CDC
Körper kühlen
Kühle Duschen, Fußbäder, feuchte Tücher auf Haut. Leichte, helle, luftige Kleidung tragen. Kopf schützen.
WHO, Umweltbundesamt
Wohnung kühl halten
Nachts/frühmorgens lüften. Tagsüber Fenster schließen, mit Jalousien abdunkeln. Elektrogeräte ausschalten.
WHO, CDC, BZgA
Auf andere achten
Ältere, Kinder, Kranke regelmäßig checken. Niemals Kinder oder Tiere in parkierten Fahrzeugen lassen.
WHO, CDC, DRK
Hitzetote in Deutschland
2018–2020: >19.000 Sterbefälle (RKI/DWD/UBA, Deutsches Ärzteblatt 2022)
Hitze wird nur selten als direkte Todesursache auf dem Totenschein vermerkt. Das Robert Koch-Institut (RKI) verwendet daher statistische Modelle, die Temperaturdaten des DWD mit Mortalitätsdaten kombinieren, um die tatsächliche Anzahl hitzebedingter Sterbefälle zu schätzen.
Die höchste je gemessene Zahl in Deutschland: ~10.000 hitzebedingte Sterbefälle in den Sommern 1994 und 2003. Der Sommer 2003 führte europaweit zu über 70.000 zusätzlichen Todesfällen.
Quelle: RKI Sachstandsbericht 2023, Epidemiologisches Bulletin
Vulnerable
Gruppen
Ältere Menschen
Eingeschränkte Thermoregulation, vermindertes Durstgefühl, oft Vorerkrankungen. Höchste Mortalitätsrate aller Gruppen.
Kinder & Säuglinge
Körperoberfläche im Verhältnis zum Volumen größer — erwärmen sich schneller. Können sich nicht selbst helfen.
Chronisch Kranke
Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Nierenerkrankungen, Diabetes, psychische Erkrankungen — Hitze verschlimmert bestehende Leiden.
Schwangere
Erhöhte Stoffwechselrate und Kreislaufbelastung. Hitze erhöht Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht.
Außenarbeitende
Bau, Landwirtschaft, Feuerwehr. Körperliche Arbeit bei Hitze = siebenfach erhöhtes Risiko für Hitzekrankheit bei WBGT >23°C.
Medikamenten-Patienten
Diuretika, Antihypertensiva, Antidepressiva, Antipsychotika können Hitzetoleranz beeinträchtigen. Ärztliche Rücksprache notwendig.
Hitze tötet — aber nicht zwangsläufig. Richtiges Verhalten rettet Leben.